Über Staufer Guitars und Andre Waldenmaier
Viele kennen André Waldenmaier bereits aus seiner Tätigkeit bei Chandler Guitars bzw. Lake Placid Guitars München in der Zeit von 1985 bis 1995, aber auch vom Freitags-Reparaturtag beim Music Shop in der Siegesstraße, später im Music Shop bzw. JustMusic in der Hanauer Str.
Als gelernter Einzelhandelskaufmann arbeitete ich Ende der '70er Jahre zunächst bei Musik Schell im schwäbischen Uhingen einem kleinen aber damals bedeutendem Großhandel für Musikinstrumente (Im Vertrieb: Gretsch, Guild, Moonstone, Schecter, Veillete Citron, Session Amps, Gauss Lautsprecher, Prophet-5 und vieles mehr). Dort war ich zuständig für die umfangreichen Schecter Gitarrenteile, dem Gitarrenservice und teilweise dem Verkauf. Danach folgten fast 5 Jahre Musikhaus Barth in Stuttgart, bevor ich zusammen mit Doug Chandler von Chandler Guitars London als aktivem Partner und Peter Schell, dem späteren Gründer von ToneToys († 29.06.2012) als stillem Teilhaber die Münchner Chandler Guitars GmbH gründete.
Für diese Münchner Firma wurde ich bei Chandler Guitars in London mehrere Monate lang speziell ausgebildet. Besonderer Schwerpunkt war die Ergänzung und Verfeinerung meiner handwerklichen Gitarrenbauerfähigkeiten. Insbesondere Lackierungen, Neubundierungen und dem Abrichten von Bünden. Schon nach kurzer Zeit bemerkten die Londoner Kollegen meine Fertigkeiten und dem Respekt im Umgang mit Kunden und Instrumenten, welches meinen späteren guten Ruf begründen sollten. Bereits in der ersten Woche in London durfte ich so prominente Kunden, wie Greg Lake, Mike Oldfield, Elvis Costello oder die Dire Straits persönlich beraten und die Reparaturen an deren Instrumente selbst durchführen.
Hier die Chandler Guitars London HomePage: http://www.chandlerguitars.co.uk/ und da die Seite vom damaligen Werkstattleiter Charlie Chandler: Klick Chandler Guitars London ist seit Ende 2016 geschlossen. Hier der Link: http://www.musicinstrumentnews.co.uk/2016/09/23/chandler-guitars-close/
Im Sommer 1985 wurde die Chandler Guitars München GmbH gegründet und ich wurde Geschäftsführender Gesellschafter. Die Schwerpunkte dieser Firma waren: 1.) Herstellung, Reparatur und Customizing von E-Gitarren, 2.) Mesa/Boogie Boutique und größter Stützpunkthändler in Deutschland, sowie 3.) der Import von brandaktuellen Insidertips. Als 1987 Doug Chandler sein Engagement in München beendete, übernahm ich die Anteile von beiden Partnern. Die Firma gehörte dann zu 100% mir und wurde aus namensrechtlichen Gründen in Lake Placid Guitars GmbH umbenannt.
Mit jetzt besserer finanzieller Ausstattung gelang es mir als erster offizieller Importeur in Europa den damals größten Geheimtip an Land zu ziehen: Paul Reed Smith! Es folgten Philip Kubicki EX Factor Bässe, Alembic Bässe und Randall Amps (Dave Lepard). Dann lernte ich Bill Lawrence kennen und pflegte einen regen Erfahrungsaustausch mit dem Pickuppapst, tauschte Erfahrungen mit seinen OBL Pickups aus und wurde einer der umsatzstärksten OBL-Pickuphändler. Bereits 1985 importierten wir den später berühmten gewordenen Verzerrer "The Rat". Später fand ich durch einen Tip die Van Zandt True Vintage Pickups und wurde der erste offizielle europäische Importeur dieser bemerkenswerten Pickups, die damals zu den weltbesten Vintage-Replika gehörten. Auf der Suche nach neuen professionellen Produkten importierte ich die allerersten Rivera Amps (TBR-1) und vieles andere mehr. Peter Diezel modifizierte zu dieser Zeit seine ersten Amps exklusiv für Lake Placid Guitars mit gebrauchten Marshall Topteilen, die ich für ihn ankaufte und finanzierte. Unter meiner Regie wurden nicht nur spezielle Verstärkerröhren nach klanglichen Gesichtspunkten selektiert und unter dem Namen Lake Placid verkauft, sondern es wurden auch Saiten und Gitarrenpflegemittel unter diesem Namen hergestellt. Schon beinahe weltberühmt wurde mein gepolsterter "Lake Placid Gitarrengurt für schwere Instrumente", welcher in vierstelliger Stückzahl verkauft wurden (und dessen Generalvertrieb mich 1995 so richtig abgeledert hatte).
Da seinerzeit zur Führung eines Zupfinstrumentenmacherbetrieb aufgrund der Handwerksordnung ein Zupfinstrumentenmachermeister vorausgesetzt wurde, beantragte ich über die Handwerkskammer München beim Freistaat Bayern ein Ausnahmegenehmigungsverfahren. Dieses wurde im Jahre 1987 mit Zustimmung der HWK und Innung stattgegeben. In diesem Prüfungsverfahren mußte ich vor der Münchner Innung meine „meistergleichen Fähigkeiten“ in Theorie und Praxis nachweisen. Von Art und Umfang entsprach diese Prüfung dem damals aktuellen Meisterprüfungskatalog (dieselben Prüfungsbögen) mit Ausnahme des Teils der Ausbildungsbefähigung. Die Folge ist, daß ich seither ein Zupfinstrumentenmacherbetrieb führen, mich aber nicht auf „Amtsdeutsch“ Gitarrenbaumeister nennen darf - obwohl ich dieselben Fähigkeiten nachgewiesen habe. (Ich hoffe, ich habe diesen Passus jetzt unmißverständlich dargelegt. Irgend jemand hatte an der vorherigen Formulierung Anstoß genommen.)
Als einer der ersten Mesa/Boogie Stützpunkthändler nahm ich mit meinem Boutique-Laden (das Wort war seinerzeit noch gar nicht erfunden) ab 1985 eine Vorreiterrolle auf dem damals boomenden Verstärkermarkt wahr. Als Boogie Stützpunkthändler No. I nach Umsatz und bestem Service, sowie insbesondere auch als Gitarrenbauer und Gitarrenreparaturfachmann wurde ich in München das, was man eine „Institution“ nennt. Zu meinen Kunden zählten sie alle: Abi von Reininghaus, Peter Wölpl, Wolfgang Schmid, Charly Hornemann, Mick Brehmen, Nick Woodland, Gagey Mrozeck (damals Herbert Grönemeyer Band), Thomas Kretschmer, Alfons Baumann (der Sammler), Paul Vincent Gunia, Wolle Kriwanek, Johann Daansen, Ossi Schaller, Enrico Coromines, The Kelly Family, Bernd Kühl und Rolf Pröpper (beide Wolfgang Petri-Band), Spider Murpy Gang, Cagey Strings sowie unzählige andere, die hier schon aus Platzgründen nicht aufgeführt werden können.
1995 verkaufte ich aus privaten Gründen die Firma und zog nach Eschenbach (Baden Württemberg) um mich beruflich im Umfeld meiner Familie neu zu orientieren. Nachdem der neue Besitzer meines ehemaligen Ladens die vereinbarte Zusammenarbeit im Bereich Gitarrenbau nicht mehr wünschte, stellte ich auf der Frankfurter Musikmesse bereits 1997 meine ersten neuen Gitarren unter dem Namen "Staufer" auf dem Messestand von Peter Diezel vor. Ab Herbst 1997 übernahm ich den Gitarrenreparaturservice vom Music Shop München, welcher jetzt zu JustMusic gehört.
1998 folgte der erste "richtige" Staufer-Messestand, wieder zusammen mit Peter Diezel und seinen Amps. 1998 beginnt die Zusammenarbeit mit Antonio Valderas (spanische Konzertgitarren). Ende 1998 versuchte ich mich in Sachen Journalismus und schrieb einen sehr interessanten Artikel im Vintage Guitars News, dem damaligen Vintage Gitarrenmagazin von Gunter Jansen. Der Titel: "Gibt es eine Möglichkeit, den Sound und das Feeling einer echten Fender Pre CBS Strat nachzubauen?" Ein Fortsetzungsartikel über mehrere Ausgaben hinweg. 1999 folgte der 2. Stand auf der Musikmesse in Frankfurt. Im April 1999 wurde die Werkstatt in Eschenbach zu klein. Es folgte der Umzug in die neue Werkstatt im benachbarten Dürnau. Im Bereich Entwicklungsarbeit konnte ich für Antonio Valderas entscheidende Hinweise geben, um diese tollen spanischen Gitarren noch weiter zu verbessern. So wurde z.B. der Hals-/Korpusübergang sowie maßgebliche Konstruktionsdetails der Cutaway Instrumente neu designed und Anfang 2000 auf den Markt gebracht. Ende 2000 wurden die ersten Instrumente mit dem damals brandneuen finnischen B-Band Pickupsystem serienmäßig hergestellt und ausgeliefert. Vorher wurden diese Systeme von mir persönlich in aufwendiger Arbeit nachträglich hier in Deutschland montiert. Damit dürfte Antonio Valderas höchstwahrscheinlich weltweit die allererste Marke gewesen sein, welche das B-Band-Pickupsystem serienmäßig anbieten konnte. Durch weitere Verbesserungen konnte bei den vollmassiven Modellen No. 8 (Zederndecke) und No. 9 (Fichtendecke) die klanglichen Qualitäten weit über das bis dahin übliche Maß gesteigert werden, so dass in allen Preislagen ein außergewöhnlich günstiges Preis-/Leistungsverhältnis realisiert werden konnte.
1999 erhielt ich von GC Carstensen Verlag das Angebot zur Mitarbeit am Buch mit dem Titel "E-Gitarren - Alles über Konstruktion und Historie", welches im Dezember 2001 in den Handel kam.
Im Dezember 2000 beginnt die Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch in Sachen Tonabnehmer mit dem deutschen Pickuphersteller Harry Häussel. Das Ergebnis ist eine komplett neue Serie von Staufer Pickups. Diese Pickups werden neben anderen speziellen Details mit handgeführtem Wickeldraht hergestellt. Eine Technik, die Harry Häussel bis dahin für sich nicht angewendet hatte. Nachdem die klanglichen Qualitäten derart gut sind, entschließt sich Harry nach und nach seine eigene Pickupserie auf diese neue, mit Hilfe von meinen Ideen entwickelte Herstellungstechnik umzustellen. Die klangliche Abstimmung ist freilich nach Harrys Geschmack eine andere als bei meinen eigenen Staufer Pickups. Diese orientieren sich weitgehend an den ganz alten W.L. Van Zandt Pickups, die ich immer noch als als Muster und Referenzobjekt besitze. Seit diesem Zeitpunkt gelten Häussel und auch Staufer Pickups als der absolute Geheimtip, welches sich in ständig steigenden Verkaufszahlen niederschlägt. Mehr dazu auf der Pickupseite oder auch im Staufer Web Shop. Mittlerweile werden die Staufer Pickups mit einer sündhaft teuren, computergesteuerten Wickelmaschine hergestellt, welche die Handführung des Drahts in Duzenden von Schritten simuliert. Damit können wir garantieren, dass ohne Qualitätsstreuung Pickup für Pickup dasselbe hervorragende klangliche Ergebnis abgeliefert wird.
Ende 2001 bis Dezember 2002 wurde ich vom Music Shop München als Berater und Mitarbeiter engagiert. Innerhalb dieser Zeitspanne war ich zwei zusätzliche Tage pro Woche neben organisatorischen Aufgaben und Beratung, für die Leitung von Limited Guitars, der Abteilung für hochklassige Instrumente, zuständig. Aufgrund zeitlicher Engpässe (Insider wissen, dass ich damals nicht nur bis spät abends, sondern auch Samstag und stundenweise sogar Sonntags arbeiten musste, um mit den Reparatur- und Gitarrenaufträgen in bekannt bester Qualität fertig zu werden). Deshalb beendeten wir diesen Zusatzjob und ich konnte ab Dezember 2002 wieder voll in der Werkstatt und Freitags zum institutionellen Gitarren-Reparaturtag im Münchner Music Shop sein. 2003 findet eine Zusammenarbeit mit dem spanischen Spitzengitarrenbauer Vicente Carrillo statt. Ein sensationell guter Testbericht einer Staufer Custom S-Caster erscheint im Gitarre & Bass Magazin Ausgabe 6 im Juni 2003. Im November 2003 erfolgt der Umzug in die neue Werkstatt- und Wohnräume (im alten Werkstattgebäude). Wohnen und Arbeiten auf einer Etage - genau das Richtige für mich als lebenden Workoholic.
In der bekannten Musikerzeitschrift Gitarre & Bass wurde Staufer Guitars in einem tollen Feature in der Ausgabe 7/2006 vorgestellt. Ebenfalls in 2006 begann die Projektierung eines "Designed by Staufer" Modell für die bekannte deutsche Marke Hohner. Vorgestellt wurden diese Instrumente auf der Frankfurter Musikmesse 2007. Die Markteinführung erfolgte 2008.
Beginnend mit der Ausgabe 06/2008 erscheint im Gitarre & Bass Magazin die Kolumne "Pimp Your Cheapo". Hier beschreibe ich in einer Fortsetzungsserie, wie man eine einfache, preiswerte Gitarre optimiert und in einzelnen Schritten bis zu einem Super-Instrument verfeinert. Eine weitere Kolumne im G&B Magazin nennt sich "Guitar Shop". Hier geht es um unterschiedliche Fragen, wie z.B. den unterschiedlichen Halsfüßen und deren klangliche Auswirkungen bei Gibson Les Pauls, um die Frage, wo Hölzer herkommen oder wie Pickups funktionieren. Eine weitere Aufgabe dort ist die Beantwortung von Leserbriefen.
Ende Juli 2008 erfolgt der Umzug nach München - also dahin zurück, wo 1985 alles begann. Die Staufer Werkstatt befand sich ab dann im großen Just Music Gebäude im obersten Stockwerk.
2013 kommen die ersten Staufer Paulamodelle in den Verkauf und zwar erstmals für Staufer Guitars in dem zeitgemäßen „Gebrauchtlook“.
Neues aus der Presseabteilung 2014: Das Gitarren ABC - Alles über E-Gitarren aus dem Gitarre&Bass - Musik Media Verlag erhältlich ab März 2014. Ein großer Teil der Beiträge stammt von mir.
Ebenfalls aus der Presseabteilung 2016: Das AkustikgitarrenABC aus dem Gitarre&Bass - Musik Media Verlag, erhältlich im Zeitschriftenhandel oder direkt beim MMV. Wieder mit Beiträgen von mir.
Ab 1. Juni 2019 Bezug der neuen Staufer Werkstatt in 82194 Gröbenzell bei München, Augsburger Str. 11
Nach 22 Jahren Music Shop bzw. als Nachfolgefirma Just Music wird es Zeit, den Alltagsstress in dem großen Musikhaus deutlich zu reduzieren. Letzendlich haben gesundheitliche Gründe mich dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen. Man(n) wird schließlich nicht jünger und träumt davon, wie andere in meinem Alter zwar nicht in Frührente, sondern eher in eine Art „Teilzeitruhestand“ oder „Altersgleitzeit“ zu wechseln. Schließlich möchte ich mehr Zeit für die Stammkunden und deren Instrumente zur Verfügung haben und auch die Zeit und Ruhe zum Bau der ein oder andere Staufer Custom Gitarre finden.
Das mit dem „Teilzeitruhestand“ hat nicht so ganz geklappt. Die Kunden halten mich nach wie vor auf Trap, so daß die Werkstatt Vollauslastung hat. Aber das ist ja auch gut so. Denn es zeigt die Wertschätzung meiner Kunden an meiner Arbeit. Durch die Vergabe von Terminen kann jedoch vieles besser eingeteilt werden.
2020 hat die Corona die Welt in eine unvorhersehbare Krise gestürzt und starke Verwerfungen in Handel, Industrie und vor allem der Veranstaltungsbranche verursacht. Die JustMusic Gruppe, welche nicht nur langjähriger Partner, sondern insbesondere auch Vermieter der Räume für meine Staufer Werkstatt in der Hanauer Str. in München war, hat seine Filialen Anfang 2021 geschlossen und behält nur noch den Laden in Berlin. Somit ist auch „der Music Shop München“, für welchen ich seit Ewigkeiten, genauer seit 1997, alle Gitarrenreparaturen gemacht hatte, Geschichte. Glücklicherweise habe ich diese Entwicklung unabhängig von Corona vorausgesehen und mit meiner Werkstatt bereits 2019, also rechtzeitig vor dieser Entscheidung, nach Gröbenzell umgezogen.
Im Sommer 2021 konnten wir auch unser Herzensprojekt „Umzug auf‘s Land“ realisieren. Die Staufer Werkstatt befindet sich nun bei uns im Haus in 86657 Bissingen, Westfeld 29, einer unfassbar entschleunigenden Landschaft am Rande des Donauries.
Bilanz:
* 45 Jahre Berufserfahrung, davon allein 42 in der Musikbranche
* 37 Jahre Gitarrenbauererfahrung als Vollzeit-Profi
* mehrere hundert selbst gebaute Gitarren
* Tausende Neubundierungen und sonstige Fret Jobs
* unzählige Pickups eingebaut, zehntausende Kabel verlötet
* gefräst, geshaped, geschliffen, lackiert, repariert, die Stunden sind nicht mehr zu messen
* zentnerweise Holz umgestapelt
* unzählige Erfahrungen gesammelt
* nie den direkten Kontakt mit den Musikern verloren
* durch die vielen Reparaturen immer am "Puls der Zeit"
* viele Stunden Schreibarbeit am Fachbuch "E-Gitarren", welches ein Standardwerk für alle wurde, die sich für dieses immer noch moderne Instrument interessieren.
* unentwegt weitere zahllose Stunden Schreibarbeit für diverse Kolumnen und beantwortung von Leserbriefe für das Magazin Gitarre & Bass.
Staufer Guitars - André Waldenmaier, Westfeld 29, 86657 Bissingen
Tel.: 0172 / 731 86 42 (Öffnungszeiten nach Vereinbarung)