
... allerlei Mythen und Geschichten
Es wird ja viel
erzählt, auf dem Pickupmarkt. Hersteller, Kunden, Verkäufer,
Gitarrenbauer - alle haben so ihre Geschichten drauf. Manches ist wahr,
vieles ist manchmal zutreffend, manches zielt an der Realität vorbei und
nicht wenig wird vorbehaltlos nachgeplappert ohne diese Aussagen selbst
nachgeprüft zu haben. Wir wollen hier versuchen, auf einige "Geheimnisse" und
populäres "Halbwissen" einzugehen.
Viel verbreitet ist
die Annahme, man könnte mit Hilfe des Gleichstromwiderstand,
den man mit jedem handelsüblichen Messgerät selbst nachmessen kann, über
den Sound und Klangckarakter x-beliebiger Pickups eine sichere Aussage
treffen. Dem ist jedoch nicht so. Zwar wird ein Pickup in der Tat mit
zunehmend höherem Gleichstromwiderstand (größere Wicklungszahl)
zunehmend lauter, mittiger und weniger dynamisch. Aber eine sehr viel
größere Rolle spielt das Material, Magnet, Polschrauben, Eisenateil,
Wickeldrahtdurchmesser usw. für das klangliche Ergebnis. So gesehen
dürfte der Staufer TOZZ Humbucker gar keine Höhen und einen matschigen
Sound haben. Aber das Gegenteil ist der Fall ... Im Gegensatz dazu
dürfte ein originaler Gretsch Filtertron Humbucker gar keine Mitten und
schon gar keine Ausgangslautstärke besitzen - tut er aber ... Daher also
bitte Vorsicht, wenn mit solchen Angaben Pickups verglichen werden.
Aussagen, wie 6,25kOhm ist besser, als 6,5kOhm sind vor allem wenn es
sich um unterschiedliche Fabrikate dreht, nicht die Druckerschwärze
wert. Denn möglicherweise benutzt der andere Hersteller ein Material,
daß bei 6,5kOhm mehr Höhen, Transparenz und Dynamik besitzt, als ein
anderes Fabrikat mit 6,25 ... und was ist, wenn die Wickelmaschine heute
mal 500 Wicklungen mehr draufgewickelt hat und dabei den Draht mehr in die
Länge gezogen wurde, als gestern? Solche Angaben sind also immer mit
Vorsicht zu genießen und bestenfalls als gaaaaanz grobe Richtlinie zu
sehen. Besser wäre da eine Angabe der "Induktion", also des "Wechselstromwiderstand".
Den kann man allerdings nicht mit einem handelsüblichen, einfachen Meßgerät messen.
Außerdem müßte man sich herstellerübergreifend auf eine
Messfrequenz festlegen. Besser vergleichbar wäre der Q-Faktor - kann zwar auch nicht mit
einem normalen Meßgerät gemessen werden, sagt aber doch etwas über das
Höhenverhalten aus. Ebenfalls ist auch keine Aussage
herstellerübergreifend bezüglich der Ausgangslautstärke möglich. Wie
will man Werte in Millivolt sicher erfassen, wenn schon ein halber Millimeter mehr
Abstand vom Pickup zu den Saiten drastisch die Lautstärke verändert?
Gar nicht zu reden vom Anschlag mit dem Plectrum. So manchem HighGain
Single Coil Pickup ist bei kräftigem Anschlag mit dem (theoretisch schwächerem)
Staufer True Vintage das Lachen vergangen. Auch der Unterschied vom
starken zum schwachem Anschlag zu wissen, wäre äußerst interessant. Da
ist nämlich der Staufer
True Vintage wirklich "leise" und der HighGainTexasirgendwas immer noch
ziemlich laut. Mit welchem man besser modulieren und welchem man sich besser
durchsetzen und sich ausdrücken kann, kann man sich denken ...
allerdings sollte man sich von all zu
dynamischen Pickups hüten. Denn
diese klingen zwar im direkten A/B Vergleich oftmals imposanter, sind
deutlich schwerer von der Gleichmäßigkeit des Anschlags der
rechten Hand zu beherrschen. Manch einer soll schon seine viel zu
dynamischen PU's
getauscht haben, nur weil er sich irgendwie unwohl gefühlt hat ohne daß
er dieses genau definieren und in Worte fassen konnte ... Eine weiteres,
sehr beliebtes Thema ist das
Magnetmaterial. Hier gibt es für
einige Spezialisten "natürlich" nur Alnico (das ist gut) und
Keramik
(das ist nicht gut). Sehr pauschal diese Aussage. Denn schließlich ist
Alinco nicht gleich Alnico und Keramik schon gleich gar nicht gleich
Keramik. "Gute" Keramikmagnete sind für viele Pickuptypen und deren
Soundeigenschaften unverzichtbar. Dieses Material ist auch überhaupt
nicht vergleichbar mit dem, aus welchem Pickups billigster
Fernostschrammeln gemacht sind. Ganz im Gegenteil: Um zum Beispiel einen
guten HeavyMetall Pickup zu machen, genügt es heute nicht mehr (wie zu
Super-Distortions-Zeiten Ende der '70er Jahre) einen Gibson-Type und mit
Alnico Magneten bestückten Pickup superheiß aufzuwickeln. Das Ergebnis
wäre sonst mittiger Mulm und eine schwammige Tonansprache (s.o.). Mit
Hilfe des richtigen keramischen Magneten kann man so einem Pickup zur
einer zackigen Tonansprache, Bässen, weniger Mitten und die richtigen,
durchsetzungsfähigen Höhen verhelfen. High End Basspickups sind ohne
Keramikmagnete gar nicht vorstellbar. Gleiches gilt für die
unterschiedlichen Alnico-Sorten: 2er, 3er, 4er, 5er, 6er usw... Manch
einer erzählt, ein Single Coil mit Alnico 2 hätte keine Höhen und einer
mit Alnico 5 klänge besser ... Tatsache ist, daß es Alnico 5 bestückte
Single Coils gibt, die so flach und höhenlos im Sound sind, daß sie von
manchen anderen Herstellern mit Alnico 2 bestückten Pickups locker
übertroffen werden - und das nicht selten auch lautstärkemäßig
(s.o.). Ach ja - und dann besteht da noch ein gewisser Unterschied von
Alnico 5 zu Alnico 5 und dieses führt wiederum zu höchst unterschiedlich klanglichen
Ergebnissen. D.h. ein sehr großer Hersteller, der einfach nur "Alnico
5" statt dem "Alnico 5" vom letzen Mal einkauft, kann mit klanglich sehr
stark voneinander abweichende Pickups als Ergebnis rechnen. Als
Marktführer mag man sich möglicherweise nicht mehr mit solchen
"Kleinigkeiten" abgeben. Aber eine möglichst gleichbleibende Konstanz in
der Soundqualität ist nach Meinung von André doch wichtig genug, um
ernst genommen zu werden - und das wird es bei allen Staufer Pickups!
Das Wort zur Modellvielfalt:
Manche Hersteller bieten doch tatsächlich 286 verschiedene Pickups an
und stellen damit ihre Kunden vor eine fast unlösbare Aufgabe: Welcher
ist nun der Richtige?? Man stelle sich einfach mal vor: Guter Sound ist
"1" - schlechter Sound ist "286" - daß "dazwischen" teilen wir in 286
Schritte auf. Die Change, damit bis zu 285 Fehlkäufe zu tätigen, ist
nicht wirklich von der Hand zu weisen, oder? Wie will man auch diese
286 unterschiedliche Pickups beschreiben? Haben die jetzt Höhen oder
haben die jetzt Höhen? Also was jetzt? Mehr Sinn macht es nach Ansicht
von André, eine überschaubare Angebotspalette zu bieten, welche für 95%
aller Musiker das passende bereithält. Für die anderen 5% können wir
immer noch eine Sonderanfertigung machen. Ein weiteres Thema sind "Soundfiles".
Schwieriges Thema ... allein schon der Aufbau des Mikrophon an
unterschiedlichen Aufnahmetagen. Ein Zentimeter nach links oder einer
nach oben, oder einer weiter weg - schon klingt das Ergebnis komplett
anders. Eigentlich bräuchte man da gar keine unterschiedlichen Pickups
mehr ... so, und dann wird das Ergebnis selbst bei einer immer gleichen
Testgitarre (wie geht das bei solchen Unterschieden, wie Paula, Strat
oder Tele?) doch sehr vom Zufall bestimmt. Wie sich dann das Ganze in
ein MP-3 File gequetscht und über (meist) winzige PC-Lautsprecher in
Telefonhörergröße anhört (und vor allem wie man da Unterschiede
raushört) ist ja wirklich nicht soooo besonders aussagekräftig. Ganz und
gar keine Aussage gibt es über das Spielgefühl. Also das, was man als
Musiker beim Tonanschlag aus dem Instrument, dem Verstärker, der Box
wahrnimmt. Kein File der Welt gibt eine Rückmeldung darüber, wie schnell
der Ton "in's Plektrum" hüpft, wann welche Obertöne "passieren" und wie
mit dem Pickup der Sound am eigenen Equipment gestaltet werden kann.
Denn zum Glück besteht Gitarre spielen aus mehr, als nur einer Abfolge
von mehr oder weniger zufälligen Tönen in der möglichst richtigen
Reihenfolge. Und genau daß soll und muß der perfekte Tonabnehmer
"rüberbringen". Hören kann man diese Eigenschaften mit einem
Soundfile jedoch auf gar keinen Fall.
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